Ewgenia Nikolaeva

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Ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen!

Ewgenia Nikolaeva

Ich - und der frühe Vogel

Zwar gehöre ich, was das tägliche Aufstehen angeht, eher zu den Langschläfern, im Leben allerdings konnte ich nicht früh genug damit anfangen, mir meinen Weg als Schreiberling zu ebnen. Der frühe Vogel - in Form eines leeren Blattes Papier - weckte mich im Grundschulalter, als ich, ganz die Jüngere, meine Schwester beim Schreiben beobachtete und es auch versuchen wollte. Nach wenigen Minuten war mein erstes Gedicht fertig und ich präsentierte es stolz meinen Eltern. Wie begeistert sie wirklich waren kann ich heute nicht mehr beurteilen, damals allerdings motivierte mich ihre Freude weiterzuschreiben. Und das tat ich. Einige meiner frühen Gedichte fanden sogar ihren Weg in ein Sammelwerk. Aber auch in der Schule konnte ich meine Dichtkünste bald unter Beweis stellen. Bis auch meine Prosatexte Freunde und Lehrer in Begeisterung versetzten sollte es jedoch noch ein weiter Weg sein.

Die große weite Welt

Von klein auf hatte ich das große Glück, immer wieder an die verschiedensten Orte reisen zu dürfen. Ob Strände oder Großstädte, Kultur oder Bildung, allein oder in der Gruppe: ich bin schon ganz schön herum gekommen. Sei es Ost, West, Nord oder Süd - meine Reisen führten mich in alle Himmelsrichtungen und sogar ans Ende der Welt! Naja, ans Ende von Großbritannien zumindest, das im südwestlichsten Zipfel der Insel neben einem Ortsschild mit der Aufschrift "Land's End" auch durch Verweisschilder zu Städten der USA gekennzeichnet ist. Meine Resielust jedoch war noch lange nicht ausgeschöpft und so machte ich mich nach meinem Abitur auf den Weg gen Osten - gen fernen Osten: nach Japan. Dort erlebte ich das wahrscheinlich faszinierendste und aufregendste Jahr meines Lebens, inmitten von Religion und Innovation, zwischen winzigen Imbissbuden und großen Fastfoodketten. Und neben der starken Verbesserung meiner Englischkenntnisse durch Kommunikation mit Muttersprachlern und der Tätigkeit als Englischlehrerin konnte ich auch neue, aufregende Sprachkenntnisse, nämlich die der japansichen Sprache, erwerben und schnell ausbauen. Während meines Studiums, das nach meinem Auslandsjahr an die Reihe kam, stattete ich auch China einen kleinen Besuch ab. Die dortige Sprache konnte ich aber beim besten Willen nicht verinnerlichen. Aber wer weiß, was noch kommt. Das Leben ist schließlich noch lang.

Erinnerungen einfrieren

Während meiner vielen Reisen entstanden natürlich auch einige Erinnerungsfotos und Videos von Orten, Menschen, Dingen... Doch leider überlebten nur wenige Exemplare den Umstieg auf digitale Medien. Dabei sind Bilder - statische oder bewegte - in meinen Augen der wichtigste Bezug, den wir zu Erinnerungen nur haben können. Denn im Laufe der Zeit verblasst das Erlebte in unserem Kopf zugunsten neuer Ereignisse und was uns dann bleibt, sind Assoziationen. Um die zu wecken bedarf es einiger Hilfe in Form von Reizen; und die besten Reize sind noch immer die visuellen. Schaut man nach langer Zeit auf ein altes Foto, baut sich die Erinnerung fast wie von selbst wieder im Gedächtnis auf, aus einem Moment werden Minuten, daraus Stunden und später ganze Tage, Wochen, Jahre... Es ist schade, dass ich viele meiner Erinnerungen wohl nie wieder vor meinem geistigen Auge werde sehen können. Und dennoch freue ich mich auf viele neue Erinnerungen, die ich selbstverständlich auf Bildern festhalten werde, um sie immer und immer wieder anzusehen und mir die Zeit wieder ins Gedächtnis zu rufen.

Holt das Megafon!

Mein Mitteilungsbedürfnis wurde, nachdem es entstand, sehr schnell berühmt und berüchtigt. Während es nach unserem Umzug nach Deutschland zunächst meine monatelange Schweigsamkeit war, die allen Sorgen machte, trieb ich schon nach kurzer Zeit mit meiner geballten Redegewalt sämtliche Erzieherinnen in den Wahnsinn. Ja, ich hatte eine Menge mitzuteilen und mit Bescheidenheit hatte mich die Schöpfung auch nicht gerade überschüttet.Kein Wunder also, dass ich zum Schutze meiner Umwalt, bald auf den weniger nervtötenden schriftlichen Weg gewechselt bin, um den Gedanken in meinem Kopf freien Lauf zu lassen. Ich schrieb Geschichten, kürzere und längere, die meisten davon nie zu Ende. Und dank einer Freundin hatte ich auch bald die Möglichkeit, für das Jugendblatt der lokalen Ausgabe des Kölner Stadtanzeigers zu schreiben. Auch einige meiner Reisen verewigte ich in den Archiven der "Jungen Zeiten", aber auch das Internet war vor mir nicht sicher. Ich machte mir auch das Web 2.0 zu Nutze, um der Welt darzulegen, was ich zu sagen, pardon, schreiben hatte.

Der Weg ist das Ziel

Mit meinen nunmehr 22 Jahren habe ich vieles gesehen, gehört und angefangen - und endlich stehe ich vor der Beendigung eines wichtiges Lebensabschnittes: des Studiums. Gerade einmal ein halbes Jahr trennt mich heute von meinem ersten Hochschulabschluss, dem ich mit einem lachdenen und einem weinen Auge entgegen sehe. Eine schöne Zeit war es und vieles werde ich vermissen, doch ich freue mich auf die vielen hoffentlich noch schöneren Momente meines zukünftigen Lebens. Die Gunst der Stunde (eigentlich der wenigen Unterrichtsstunden) möchte ich nutzen, um einige im Studium erworbene Fähigkeiten praktisch auszuprobieren und meine Talente unter Beweis zu stellen.